Gerold Leppa gibt einen kleinen Einblick in seinen beruflichen Werdegang, seinen Job, die wirtschaftliche Lage und Situation in der Innenstadt.

Er ist der Wirtschaftsdezernent der Stadt und Geschäftsführer der Braunschweig Stadtmarketing GmbH sowie der Braunschweig Zukunft GmbH – die Rede ist von Gerold Leppa.

Im Gespräch mit unserer Redaktion gibt Gerold Leppa einen kleinen Einblick in seinen beruflichen Werdegang, seinen Job, die wirtschaftliche Lage und Situation in der Innenstadt.

Herr Leppa, bekanntlich kommen Sie nicht aus Norddeutschland und sind somit auch nicht gebürtig aus dieser Region. Was hat Sie aus Mittelfranken in den Norden gezogen und wie kam es dazu, dass es Sie gerade nach Braunschweig verschlagen hat? Was hat Sie gereizt und welche Eindrücke hatten Sie vorher von dieser Stadt?

Gerold Leppa:Ja, das ist richtig. Meine Heimat liegt in Mittelfranken, genauer gesagt bin ich gebürtiger Nürnberger. Wie ich nach Braunschweig gekommen bin, ist nicht schwer zu erklären: Es war die berufliche Herausforderung im Jahr 2003. Die Stadt Braunschweig hatte sich damals vorgenommen, das Stadtmarketing neu aufzustellen und den städtischen Verkehrsverein und die Organisationseinheit Stadtmarketing als Gesellschaft zusammenzuführen. Auf die sehr interessante Stelle als Geschäftsführer der Braunschweig Stadtmarketing GmbH habe ich mich beworben – und zu meiner großen und inzwischen auch sehr nachhaltigen Freude ist die Wahl auf mich gefallen. Ich habe den Job gern angenommen, obwohl ich Braunschweig damals kaum kannte. Aber als ich das erste Mal über den Burgplatz gelaufen bin, war ich sofort begeistert von dieser Stadt. So kam ich als gebürtiger Franke aus dem Süden in diese Region.

Die Wahl für einen Posten auf dieser Ebene fällt ja nicht auf irgendeinen Kandidaten ohne entsprechende Qualifikationen und fachliche Vorkenntnisse. Wie verlief denn Ihr beruflicher Werdegang beziehungsweise wie sahen Ihre ersten beruflichen Schritte vor Ihrem Job-Antritt in Braunschweig aus?

Gerold Leppa:Ich habe an der Universität in Bayreuth Wirtschaftsgeografie und Marketing studiert und dort nach meinem Abschluss das erste Mal im Stadtmarketing gearbeitet. Dann zog es mich nach Friedrichshafen am Bodensee, wo ich Geschäftsführer einer Stadtmarketing-Initiative war, die als Verein organisiert war. Ab 2001 war ich drei Jahre in Bochum tätig und habe als Marketing-Geschäftsführer der Stadt die erste Stadtmarketing-Gesellschaft als GmbH aufgebaut – in ganz ähnlicher Form wie das auch hier in Braunschweig 2004 der Fall war.

Wie waren Ihre Anfänge als neuer Leiter des Stadtmarketings? Sind Sie mittlerweile angekommen in der Stadt und welche Eindrücke konnten Sie für sich in den vergangenen Jahren sammeln?

Gerold Leppa:Ich glaube, man lernt eine Stadt erst innerhalb von zwölf Monaten so richtig kennen, ihre Struktur, die wesentlichen Akteure. Die Innensicht einer Stadt, also die Erkenntnis darüber, wer die Stadt prägt und wie das Selbstverständnis der Einheimischen aussieht, erlangt man erst nach einer gewissen Zeit, die hat man zu Anfang natürlich nicht. Mittlerweile fühle ich mich – 15 Jahre nach meiner Ankunft – wie ein „echter“ Braunschweiger. Aber ich versuche mir auch die Unabhängigkeit als „Zugereister“ zu bewahren und spreche viel mit Freunden und Leuten, die neu in die Stadt kommen, um ihren Blick einzufangen: Wie denken Menschen über unsere Stadt, die hier nicht viel Zeit verbringen? Wesentlicher Teil der Aufgaben im Stadtmarketing ist es, Touristen, Arbeitskräfte, Einkäufer und Kongress-Besucher anzusprechen und ihnen aufzuzeigen, dass man in Braunschweig gut arbeiten, leben und verweilen kann. Dabei hilft meine „zweiteilige“ Sichtweise: Ich habe die Innensicht und gleichzeitig den objektiveren Blick von außen und kann so die Stärken Braunschweigs besser vermitteln. Meine Zeit in Braunschweig hat mich auf unterschiedliche Art und Weise verändert und geprägt. Beruflich konnte ich viele Erfahrungen sammeln und mich immer wieder verschiedenen Herausforderungen stellen, so wie ich es mir gewünscht habe. Ich habe das Stadtmarketing auf einem guten Grund aufbauen können. Es gab und gibt zahlreiche Akteure wie die Stadtverwaltung, den Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig (ATB) und den Arbeitsausschuss Innenstadt Braunschweig (AAI), die das Ziel eint, Braunschweig voranzubringen und es zu dem Ansehen zu bringen, das es verdient hat. Deshalb besteht eine große Offenheit für Ideen, sodass ich hier einfach immer wieder spannende Themen bewegen kann. Das ist stets eine große Freude für mich.

Mit welchen Maßnahmen und Konzepten wollen Sie mit der Braunschweig Stadtmarketing GmbH das Image und die Attraktivität der Stadt für die Bürger, Gäste und Touristen weiter steigern?

Gerold Leppa:Marketing ist immer strategisch und setzt sich aus der Arbeit am Produkt, also der Weiterentwicklung des Standorts, und der Kommunikation der Standortstärken zusammen. Dafür sind zahlreiche Bausteine nötig wie Konzepte, um die Wirtschaft anzukurbeln, um die Stadt lebendig zu gestalten und um die Stadt und ihre Stärken bekannt zu machen. In der Innenstadt haben wir zum Beispiel mit unseren vier Veranstaltungs-Wochenenden mit verkaufsoffenen Sonntagen, die sich auf das Jahr verteilen, zusätzliche Besuchsgründe nicht nur für Braunschweiger, sondern auch für die Menschen aus der Region, geschaffen – wie die hohen Besucherfrequenzen an diesen Wochenenden belegen. Darüber hinaus begleiten wir übers Jahr rund 100 Veranstaltungen mit verschiedenen Veranstaltern und Betreibern und rund 170 Gastronomen sorgen in der Innenstadt mit über 10.000 Stühlen und Sitzmöglichkeiten dafür, dass Gäste die Innenstadt unter freiem Himmel genießen können. Eine hohe Aufenthaltsqualität und das Erlebnis-Angebot sind eine notwendige Ergänzung zum starken Einzelhandel, abwechslungsreicher Gastronomie und dem vielfältigen Kultur- und Freizeitangebot in der Innenstadt. Auch touristisch ist das Angebot ein zentraler Faktor. Warum sollten Touristen nach Braunschweig kommen? Was können sie hier erleben? Wie können sie hier übernachten? Es gilt, Anreize für einen Besuch und Angebote zu schaffen, die den Aufenthalt lohnenswert machen, und potenzielle Gäste darüber zu informieren. Daran arbeiten wir gemeinsam mit zahlreichen Partnern wie dem ATB. Die Übernachtungszahlen und die Gästeankünfte liegen in Braunschweig auf einem hohen Niveau und sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Ein Grund dafür ist auch, dass wir in der Stadt in den vergangenen Jahren Übernachtungsmöglichkeiten dazubekommen haben, wie die Jugendherberge und das Steigenberger Parkhotel am Bürgerpark. Das Entwicklungspotenzial der Stadt als Reiseziel sehe ich noch nicht als ausgeschöpft an und so wollen wir weiterhin die Attraktivität der Innenstadt durch überregionales Marketing steigern und die Gäste für unsere Stadt begeistern. Ich bin da ganz zuversichtlich.

Welche Großprojekte sind in naher Zukunft geplant und wie sieht es derzeit mit Leerständen in der Innenstadt aus? Wie hoch ist aktuell diese Zahl und mit welchen Maßnahmen wollen Sie diesem Zustand entgegenwirken?

Gerold Leppa:Als Großprojekte sind in der Braunschweiger Innenstadt derzeit vor allem die Neu- und Umgestaltung der Burgpassage und des Welfenhofes in Planung. Wir hoffen, dass in Bezug auf die Burgpassage noch in diesem Jahr weitere Fortschritte vermeldet werden und es zu einem abschließenden Ergebnis bei der Gestaltung und des Umbaus kommt. Der Welfenhof soll ebenfalls ein neues Gesicht erhalten, die Passage insgesamt heller wirken, die Zuschnitte der Läden sollen verändert werden und zwei große Ankergeschäfte – Drogerie und Lebensmittel – für entsprechenden Zulauf sorgen. Die Zahl der Leerstände in der Stadt finde ich momentan nicht hoch. Es gibt kaum welche. Da sehe ich auch keinen Attraktivitätsverlust. Es gibt immer mal wieder einen spürbaren Umbruch. Geschäfte schließen, andere folgen nach, die andere Gesichter haben und neue Ideen und Konzepte in die Innenstadt bringen. Dabei muss man berücksichtigen, dass sich gerade die Fachhändler-Struktur seit Jahren verändert. Die Anforderungen und Vorstellungen der Einzelhändler hinsichtlich Lage und Zuschnitt ihrer Läden haben sich geändert. Sie sind wählerischer geworden, wollen Ladenflächen in eher quadratischen Formen, die über mehr Schaufensterflächen verfügen. Die Zeiträume, in denen Geschäftsflächen leer stehen sind aber meist relativ kurz, denn diese werden meist schnell wieder neu vermietet, da die Innenstadt eine hohe Attraktivität für Einzelhändler und Gastronomen bietet. Tolle Gastronomie-Konzepte sind dazugekommen, die die Stadt bereichern, wie zum Beispiel am Kohlmarkt, in der Neuen Straße und am Bohlweg.

Nun noch abschließend einen Blick in die nahe Zukunft. Neben Ihrer Tätigkeit als Geschäftsführer der Braunschweig Stadtmarketing GmbH sind Sie seit Februar 2014 auch gleichzeitig Wirtschaftsdezernent der Stadt und Geschäftsführer der Braunschweig Zukunft GmbH. Wo sehen Sie die Stadt in 10 bis 20 Jahren und wo sehen Sie sich selbst persönlich zu diesem Zeitpunkt?

Gerold Leppa:Braunschweig ist ein Wirtschaftsstandort mit sehr hohem Zukunftspotenzial, den es gilt, weiter auszubauen. Künftig werden sich weiterhin innovative Unternehmen an diesem Standort ansiedeln. Es gibt das Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt mit seinem Forschungsflughafen und den verschiedenen Testfeldern sowie Möglichkeiten für richtungsweisende Innovationen, wir haben gute Start-up-Unternehmen junger, begeisterungsfähiger Gründer und attraktive, innovative Forschungsunternehmen sowie sehr gute Hochschulen, die es weiter zu stärken gilt. Braunschweig wird sich als Innovationsstandort etablieren. Zudem entwickeln sich die Aufenthaltsmöglichkeiten und -angebote in der Stadt sowie die bereits sehr hohe Attraktivität in der Innenstadt in den kommenden Jahren weiter, sodass noch mehr Gäste gern nach Braunschweig kommen. Da bin ich mir sicher. Für mich persönlich hoffe ich, dass mich die Menschen auch in zehn Jahren noch sehen und erleben wollen, da ich diesen Job in dieser Stadt sehr gern mache!(ts)

Vielen Dank, Herr Leppa!

Foto: ts

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