
Die Initiative „Gedankenflieger – Philosophieren mit Kindern“
des „Jungen Literaturhauses Hamburg“ besuchte auch in diesem Jahr erneut einige Grundschulen in Salzgitter.
Den Kindern der dortigen 3. Klassen wurde gezeigt, was die großen Fragen der Philosophie mit ihrem eigenen Leben zu tun haben. Diesmal nahmen die Grundschulen Steterburg in Thiede, Am Ostertal in Lebenstedt, mit ihrer Außenstelle Salder, und die Grundschule Hallendorf teil.
Jeweils zwei Referentinnen des Literaturhauses besuchten die einzelnen Schulen und ließen auf spielerische Weise mit den Schüler/innen die Gedanken fliegen – insgesamt acht Vormittagsveranstaltungen standen in diesem Jahr auf dem Programm. Ausgehend von sorgfältig ausgewählten Bilderbuchgeschichten wurde über das Thema „Was kann ich hoffen?“ gemeinsam diskutiert und nachgedacht.
Da die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Hallendorf derzeit in der Altstadtschule in Salzgitter-Bad untergebracht sind, wurden die „Gedankenflieger-Workshops“ einfach dorthin verlegt. Eine von vielen teilnehmenden Klassen der Schule war neben der 3b, die 3a aus Hallendorf mit Klassenlehrerin Lisa Ziehe.
Zunächst wurde ein Stuhlkreis gebildet und die Gedankenflieger-Referentinnen Literaturwissenschaftlerin, Philosophin und freie Redakteurin, Stefanie Segatz, und Kinderbuchautorin und Sängerin, Anne Jaspersen, stellten sich den Kindern erst einmal vor. Ein paar Schüler/innen aus der 3a hatten schon mal vom Begriff „Philosophie“ gehört. Unterstützt von den Referentinnen stellten sie fest, dass Teile davon auch in einigen Namen vorkommen, wie bei Sophie/Sophia (übersetzt „Weisheit“) und Philipp mit der Bedeutung „Freund“. Indem sich der Begriff, aus beiden Wortbestandteilen zusammensetze – so erfuhren sie von Anne Jaspersen und Stefanie Segatz – verstünden sich „Philosoph/innen“ entsprechend als Freunde und Freundinnen der Weisheit.
Was ist „Hoffnung“?
Dann äußerten die Kinder, was ihnen alles zum Thema „Hoffnung“ einfällt. Sie nannten zum Beispiel: Zu hoffen, dass man eine gute Note bekommt; hoffen, dass der Bruder bald wieder aus dem Krankenhaus kommt und es ihm wieder besser geht; hoffen, dass ein Familienmitglied gesund von einer Reise zurückkehrt. Dabei fiel den Schülerinnen und Schülern auf, das man ja nicht nur für sich, sondern auch für andere hoffen kann oder das man anderen Hoffnung geben kann; dass es sich mit Hoffnung in der Regel glücklicher lebt.
Anschließend folgte ein Spiel zum Thema: Bunte „Hüpf“-Punkte aus Papier wurden auf dem Boden ausgelegt – nebenbei wurde von den Referentinnen erklärt, dass „hoffen“ von „hüpfen“ (hoppen; englisch Hope) abstammt. Die Kinder durften nacheinander auf einen der Punkte hüpfen, die auf der Unterseite mit unterschiedlichen Begriffen beschrieben waren. Das jeweilige Kind las den Begriff vor und überlegte gemeinsam mit den anderen, ob und was dieses Wort mit „Hoffnung“ zu tun haben könnte. Überraschende Erkenntnis: „Hoffnung“ ist ein zunächst abstrakter Begriff, der dann doch aber auch sinnlich, also mit dem ganzen Körper erfahrbar sein kann – nicht allein mit dem Kopf, beziehungsweise dem Denken.
Durch das Vorlesen von Bilderbuchgeschichten wurde das Thema „Hoffnung“ noch weiter vertieft. Dafür versammelten sich die Kinder in ihrer schönen Sitzecke vor dem Whiteboard, auf das die einzelnen Bilderbuchseiten des Buches „Ein Berg, ein Sturz, ein langes Leben“ von Dayeon Auh mit dem Beamer projiziert wurden. Eine in kraftvoll bunten Farben und märchenhaft illustrierte Geschichte, die auf einem koreanischen Volksmärchen basiert und von einem Großvater und seiner Enkelin, von einem Berg, von einem Sturz und dem Verlust der Zuversicht, aber auch vom Wechsel der Perspektive, von Hoffnung, Optimismus und neuer Lebensfreude erzählt. Währenddessen und anschließend machten sich die Kinder ihre Gedanken zum Buch: „Ich weiß, warum er (der Großvater) so krank ist: weil er Angst hat!“ Ein anderes Kind: „Er fühlt sich krank, weil er das mit der Geschichte (die man sich über den Berg erzählt, der zunächst „Berg des Grauens“ und später „Berg des langen, glücklichen Lebens“ genannt wird) glaubt – und weil er die Hoffnung verloren hat“.
Die Antwort der Schülerinnen und Schüler auf die Frage der Referentinnen ob sie meinen, dies sei eine Geschichte, die Hoffnung machen könne, kam übereinstimmend die Antwort: „Ja“.
Gedankenflieger-Magazin: Persönliche Momentaufnahme für jedes Kind
Trotz der inzwischen fortgeschrittenen Zeit waren die Kinder noch immer bei der Sache und zeigten eine bewundernswerte Aufmerksamkeit und Ausdauer, als es anschließend zum dritten Teil der „Gedankenflieger“-Veranstaltung überging. Denn nun erhielt jedes Kind sein eigenes Gedankenflieger-Magazin, das mit einer magisch glitzernden, teils durchsichtigen Brille auf der Umschlagseite neugierig auf den Inhalt machte. Darin viele weitere Bilderbuchvorschläge zum Thema „Hoffnung“, Denkanregungen und Mal-Aufgaben, Illustrationen und viel freier Platz, der mit eigenen Gedanken, Vorstellungen, Worten und Bildern gefüllt werden durfte, so dass das Heft zu einem ganz persönlichen Archiv und einer bleibenden Momentaufnahme der Gedanken jedes einzelnen Kindes werden konnte.
Zum Schluss dankten die beiden Referentinnen den Kindern für ihre tolle Mitarbeit und Aufmerksamkeit. Es habe ihnen sehr großen Spaß gemacht, bei ihnen zu sein.
Unterstützung des „Gedankenflieger“-Projektes in Salzgitter
Ermöglicht wird das „Gedankenflieger“-Projekt in Salzgitter unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung.
Speziell in Salzgitter wird die Veranstaltungsreihe schon seit Jahren immer wieder maßgeblich von örtlichen Förderern/Förderinnen aus der Region unterstützt – in diesem Jahr (wie schon mehrmals zuvor) durch die Braunschweigische Sparkassenstiftung.
Daniel Meyer, Mitglied des Regionalbeirats der Braunschweigischen Sparkassenstiftung und Thomas Wolff, Leiter der Filialen der Braunschweigischen Sparkasse in Fredenberg und Steterburg, kamen zum Gedankenflug in der Altstadtschule persönlich vorbei, um dem Fachdienst Kultur der Stadt Salzgitter die großzügige diesjährige Förderungssumme von 2000 Euro für das Projekt „Gedankenflieger on tour 2026 – Salzgitter“ zu übergeben.
